Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Pädagogik bei Beeinträchtigungen der körperlich-motorischen Entwicklung

Aktuelles - ReWiKs 2. Förderphase

Hier finden Sie Aktuelles aus der zweiten Förderphase des ReWiKs-Projekts.

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Aktuelle Veröffentlichungen der zweiten Förderphase des Projekts finden Sie auf Zenodo:

Positionspapiere, Konzepte und Studienergebnisse

https://zenodo.org/communities/rewiks/

 ReWiKs-Kanal der zweiten Förderphase auf Instagram:

https://instagram.com/rewiks_projekt

Zugang zum ReWiKs-Medienpaket beantragen:

https://qualifizierung.sexualaufklaerung.de/registrierung-rewiks-plattform

 

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Juli 2022

Das ReWiKs-Team wünscht einen schönen Disability Pride Month!

Im Juni 2022 haben Menschen auf der ganzen Welt den „Pride Month“ also den „Monat des Stolzes“ gefeiert und Forderungen an Gesellschaft und Politik für eine inklusive Gesellschaft, in der geschlechtliche und sexuelle Vielfalt anerkannt sind und queere Menschen Gleichberechtigung und Teilhabe erfahren, gestellt.

Im Juli 2022 wird nun weltweit ein weiterer „Pride Month“ gefeiert, und zwar der „Disability Pride Month“.

Beim Disability Pride Month feiern Menschen mit Behinderungen sich selbst und ihre Identität als Mensch mit Behinderung. Sie demonstrieren für die Anerkennung menschlicher Vielfalt und somit gegen Ausgrenzung und Stigmatisierungen, die ihnen von einer normorientierten Gesellschaft entgegengebracht werden. Es wird für die Sichtbarkeit von Behinderung in der Öffentlichkeit sowie ausnahmslose Partizipation und Inklusion gekämpft, um den Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft zu stärken und Stereotype sowie Vorurteile abzubauen.

Beim Disability Pride Month soll Behinderung positiv in den Fokus gebracht werden, Scham und verinnerlichter Ableismus, also Behindertenfeindlichkeit, werden abgelehnt und kritisch hinterfragt. Behinderung soll als Teil eines jeden Menschen und der menschlichen Vielfalt betrachtet werden und nicht als Einschränkung gesehen werden.

Den Disability Pride Month gibt es übrigens auch noch gar nicht so lange: 1990 ist in den USA der Americans with Disabilities Act (ADA) als Maßnahme zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in Kraft getreten. Dieses Bundesgesetz verbietet die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung durch Unternehmen und staatliche Institutionen, bspw. bei der bei der Einstellung am Arbeitsplatz, Dienstleistungen oder in öffentlichen Transportmitteln. Im selben Jahr fand in Boston der erste Disability Pride Day statt.

Die erste offizielle Feier des Disability Pride Month fand im Juli 2015 statt, als der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio den Juli 2015 anlässlich des 25. ADA-Jahrstages erstmals zum Disability Pride Month kürte. Seitdem finden in vielen Städten auf der ganzen Welt Demonstrationen, Aktionstage und Paraden statt, um mehr Inklusion zu fordern.

Und so sieht die Disability Pride Flagge aus:

Disability Pride Flagge.png

Die jeweiligen Farben haben auch eine Bedeutung:

• grün = sensorische Beeinträchtigungen

• blau = psychische Erkrankungen

• weiß = nicht sichtbare und nicht-diagnostizierte Beeinträchtigungen

• gelb = Lernschwierigkeiten und kognitive Beeinträchtigungen

• rot = körperlich-motorische Beeinträchtigungen

Mehr Informationen zum Disability Pride Month unter [Links zu anderen Websites]:

https://www.americanbar.org/groups/diversity/resources/celebrating-heritage-months/disability-pride-month

https://www.zeitjung.de/disability-pride-month

https://www.instagram.com/p/CfthcDDMyos/?igshid=MDJmNzVkMjY

 

(IEl)

 

Juni 2022

Bericht aus den ReWiKs-Foren

Im ReWiKs Projekt ist die Initiierung regionaler Vernetzungsaktivitäten zu Themen der sexuellen Selbstbestimmung ein umfassender Projektbaustein. Dieser knüpft an die Durchführung der ReWiKs-Lots*innen Fortbildung an. An den Standorten Regensburg, NRW und Stuttgart machen sich die ReWiKs-Lots*innen bereits auf den Weg zu einem selbstorganisierten Format. Dies geschieht auf ganz vielfältige Weise.

In Regensburg zeichnet sich ab, dass sich zwei regionale Netzwerke mit gemeinsamer Basis entwickeln. Die Lots*innen leben und arbeiten in und um München und Regensburg. Auf Grund der Entfernung lag es auf der Hand, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen und dabei einerseits in Regensburg und München lokal mit Präsenztreffen zu planen, aber über digitale Wege die Vorteile des übergreifenden Austausches zu erhalten.

Dies ist ein Aspekt, der in allen regionalen Foren bedeutsam zu sein scheint: Der fachlich-kollegiale Austausch zu Themen der sexuellen Selbstbestimmung und die Rückendeckung von Mitstreitenden in den jeweiligen Organisationen. Es bestätigen sich die Erhebungen aus der Projekt-Evaluation: Rund 42% der befragten Lots*innen aus Wohnangeboten geben an, dass sie wöchentlich mit Themen der sexuellen Selbstbestimmung konfrontiert sind (1. Erhebung, n=149). Bedenkt man in diesem Zusammenhang den vielmals angemahnten Mangel zeitlicher Ressourcen, der in der 2. Erhebung deutlich wird, so wird der Wunsch nach Gesprächs-, und Austauschräumen in seiner Relevanz noch einmal unterstrichen.

Während in Regensburg und München die regionale Vernetzung in Selbstorganisation Fahrt aufnimmt, gibt es in Stuttgart und Umgebung Herausforderungen: Wie kann man die Menschen mit und ohne Behinderungen, Fachkräfte in Organisationen und Berater*innen erst einmal grundsätzlich für regionale Vernetzung begeistern und die Vorteile einer regionalen Vernetzung verdeutlichen? Ein niederschwelliger Aktionstag bietet eine mögliche Antwort auf diese Frage.

Eine kleine Gruppe Lots*innen der Stiftung Haus Lindenhof plant derzeit gemeinsam mit ReWiKs und dem Projekt „Kommune Inklusiv Schwäbisch Gmünd“ genau diesen Weg: Sie wollen Akteur*innen der Eingliederungshilfe zu einem themenzentrierten Aktionstag zusammenbringen. In gemeinsamen Workshops, Fach- und Alltagsdiskussionen sollen Themen der sexuellen Selbstbestimmung in den Fokus geraten, und die Vorteile eines gemeinsamen Austauschformates praktisch erlebbar werden.

In NRW wird ein selbstorganisiertes, regionales ReWiKs-Forum fortgeführt. Dies war der einstimmige Beschluss aller Anwesenden beim vergangenen ReWiKs-Forum. Die Teilnehmenden beschäftigen sich u.a. mit der Frage, wie das Netzwerk inklusiver werden kann. Es besteht der Wunsch, dass Gesprächs- und Erfahrungsräume zu Themen der sexuellen Selbstbestimmung in regionaler Vernetzung den Blick der Menschen aus Wohnangeboten aus „erster Hand“ einbezieht. Vernetzungsaktivitäten gibt es ebenfalls in den Regionen Hamburg und Berlin-Brandenburg. Einblicke dazu erfolgen in einem späteren Beitrag dieser Rubrik.

Fazit: Die regionalen Vernetzungsaktivitäten stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen. Viele engagierte ReWiKs-Lots*innen tragen dazu bei, dass sexuelle Selbstbestimmung in ihrer Region ein Gesprächsanlass bleibt. Alle Netzwerke sind offen für interessierte Personen. Bei Fragen und Teilnahmewunsch in Ihrer Region freut sich das ReWiKs-Team über Ihre Nachricht (a.nitsche@katho-nrw.de).

AN

 

Einblick in die Forschung

Einen kleinen Einblick in die Forschung gibt das Ergebnisdokument zur Evaluation der ReWiKs-Lots*innen-Fortbildung.

Es kann hier heruntergeladen werden: Link zum Ergebnis-Dokument

TKr

 

 

Mai 2022

Im ReWiKs-Universum: Assistenz Teil II

In der "Aktuelles-Rubrik" haben wir bereits im September 2021 einen Interviewbeitrag mit Frau Steinke veröffentlicht, in dem sie über ihre Erfahrungen mit der persönlichen Assistenz und ihr Verständnis von sexueller Selbstbestimmung spricht.

Am 09.03.2022 nahm Fr. Steinke an dem offenen Web-Seminar teil, das bundesweit für alle ReWiKs-Lots*innen eine Vernetzungsmöglichkeit darstellt. Das Schwerpunktthema lautete „Erfahrungen mit dem Persönlichen Budget und Assistenz“. Unter den Teilnehmenden des Web-Seminars zeigte sich ein starkes Interesse an Frau Steinkes Perspektive; die entstandene Diskussion wurde als sehr bereichernd empfunden und stimmte die Beteiligten nachdenklich.

Für die teilnehmenden ReWiKs-Lots*innen und Herrn Nitsche, den Moderator des offenen Web-Seminares, waren es von Frau Steinke genannte Alltagsbeispiele, die zum Nachdenken angeregt haben: ein Nachdenken bezogen auf die bis dato vorhandenen Vorstellungen von professionellem Wahrnehmen und Handeln, das auf dem Prinzip von Ganzheitlichkeit im Umgang zwischen Assistenznehmer*in und Assistenzgeber*in miteinander basiert. Dass die von professionell agierenden, assistenzgebenden Personen angestrebte Ganzheitlichkeit jedoch auch Grenzen durch die Selbstbestimmung seitens der Assistenznehmer*innen unterliegt, zeigte sich anhand von Alltagsbeispielen:

Frau Steinke berichtete zum Beispiel von den Übergaben mit ihren Assistent*innen. Diese Austausche finden zwischen den Personalwechseln statt. Frau Steinke entscheidet dabei grundsätzlich und ausschließlich allein darüber, welche*r Assistent*in, wie detailliert über persönliche Angelegenheiten informiert wird. Sie gibt den Rahmen vor, welche Anteile ihres Lebens für die weitere Assistenz als Information nötig sind und welche nicht. Damit liegt die Definitionsmacht einer „ganzheitlichen Perspektive“ vollständig bei ihr als Assistenznehmerin und nicht bei den Assistenzgebenden. Dieser Perspektivwechsel entspricht der Forderung von Selbstvertretungsgremien von Menschen mit Behinderungen: „Nicht über uns ohne uns“.

Laut Herrn Nitsche könnte Frau Steinkes Selbstverständnis als Forderung: „Nur mit uns, nur selbstbestimmte Entscheidungen“ verstanden werden. Mit Blick auf Themen der sexuellen Selbstbestimmung in besonderen Wohnformen eröffnete sich für Herrn Nitsche und die Beteiligten des Web-Seminars ein inspirierender Denk- und Diskussionsraum in Hinblick auf das Verständnis von professionellem Unterstützungshandeln. Fragen in der Diskussion, die eine neue Bewertung erfordern können, lauteten z. B.:

• „Wie verhält es sich mit dem Spannungsfeld zwischen Dokumentationspflicht und Schweigepflicht?“

• „Welche organisationalen Vorgaben zur Dokumentation und Informationsweitergabe gehören auf den Prüfstand?“

• „An welcher Stelle ist es nachvollziehbar begründbar, in Dienstübergaben „über“ anstatt „mit“ Klient*innen zu sprechen?“

In einem späteren Gespräch mit Frau Steinke führte sie weitere Beispiele an, die die Dimension des Themas Selbstbestimmung lebensnah veranschaulichen:

• Frau Steinke möchte zum Abendbrot ein Stück gebratenes Fleisch essen. Die Assistentin lehnt dies aufgrund der eigenen Einstellung ab.

• Um 22 Uhr möchte sie ihre Wohnung aufräumen und staubsaugen. Die Assistentin hat Hemmungen, da sie befürchtet, Nachbarn könnten sich zu so später Stunde gestört fühlen und die Assistentin für diesen späten Lärm verantwortlich machen.

• Die Zahnpastatube ist fast leer. Frau Steinke bittet Die assistierende Person, die Tube aufzuschneiden, um auch die Reste zu benutzen. Diese antwortet: „Übertreibst du da nicht?“

Ihre geschilderten Alltagsbeispiele verdeutlichen nicht nur, wie vielschichtig Selbstbestimmung ist und wie die Einstellung zu Selbstbestimmung die Handlungsweisen beeinflusst, sondern auch und im Umkehrschluss wie wichtig es ist, v. a. als Assistent*in von Menschen mit Beeinträchtigungen, die Unterstützer*innen benötigen, Selbstbestimmung konsequent zu denken und in das professionelle Handeln zu integrieren.

Durch ein konsequent gelebtes Bild von Selbstbestimmung kann sich die Rolle der assistenzgebenden professionellen Person verändern:

Assistent*innen/Unterstützer*innen sind dann begleitende Ausführende, die Verantwortungsträgerin jedoch ist der/die Assistenznehmer*in, in dem Fall Frau Steinke. Diese gelebte Konsequenz von Selbstbestimmung im Rahmen des persönlichen Budgets begegnet ihr oft und ist ein Thema, das sie mit ihren Assistent*innen bespricht. Beispielsweise werden in der Probezeit Reflexionsbögen miteinander durchgearbeitet, um herauszufinden, ob die Vorstellungen und das Verständnis der zu leistenden Arbeit beider Parteien übereinstimmen.

Frau Steinke teilt ihr Wissen und die Erfahrungen als geladene Expertin in eigener Sache in Vorträgen und gibt Workshops, in denen sie mit den Teilnehmer*innen diskutiert, um das Bewusstsein für den Umfang selbstbestimmter Entscheidungen im Rahmen des Persönlichen Budgets zu schärfen.

Wir bedanken uns bei Frau Steinke für die produktive und inspirierende Zusammenarbeit!

Ein Kurzporträt von Frau Steinke auf Instagram kann hier eingesehen werden: https://www.instagram.com/p/Ce1AGq-sMew

Das nächste offene Web-Seminar für ReWiKs-Lots*innen findet am 22.06.2022 von 10-12 Uhr statt.

- Schwerpunktthema: Intersektionalität in der Pädagogik.

Eine formlose Anmeldung per Email an a.nitsche@katho-nrw.de ist erwünscht.

Außerhalb des ReWiKs-Universums:

In der Arte-Mediathek gibt es eine Kurzserie mit dem Titel „1 Meter 20“. Die Serie spielt in Argentinien und behandelt die Themen Sexualität, Selbstbestimmung, Inklusion und Körperbilder:

„Die 17-jährige Juana möchte ihr erstes Mal erleben. Ihr Rollstuhl wird sie daran ganz sicher nicht hindern!“

6 Folgen zwischen 11 und 15 Minuten.

https://www.arte.tv/de/videos/RC-021939/1-meter-20

Bewertung SBü: Kurzweilig mit Tiefgang, jung, bunt & nah.

SBü, SSt, AN

 

April 2022

"Sexualbegleitung für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen" - Bitte um Teilnahme an einer kurzen Umfrage

Liebe ReWiKs-Interessent*innen, sind Sie Mitarbeiter*in der Eingliederungshilfe für Menschen mit einer sogenannten geistigen Beeinträchtigung? Dann möchten wir Sie herzlich bitten, die Bachelorarbeit von Sandra Merseburger zum Thema "Sexualbegleitung für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen" zu unterstützen. Frau Merseburger führt die Umfrage im Rahmen ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule durch. Die Umfrage kann Online durchgeführt werden und nimmt lediglich 7 Minuten Ihrer Zeit in Anspruch:

https://www.survio.com/survey/d/V5P9Y2H6C3U2L4P4C

Vielen Dank, dass Sie das Vorhaben unterstützen!

 

Material mit Tipps zur psychischen Gesundheit in Krisenzeiten in Leichter Sprache veröffentlicht

Mitarbeiter*innen des ReWiKs-Projektes haben neues Material in Leichter Sprache erstellt. Das Heft mit dem Titel "Damit die Seele gesund bleibt. Tipps für zuhause in der Corona-Zeit" können Sie ab sofort auf der Zenodo-Seite des Projektes einsehen: https://zenodo.org/record/6453680

 

März 2022

Teilnahme der Freiraum-Gruppen an der Berliner Werkstatt für Partizipative Forschung

Unter dem Motto „Lernen erleben – Fehler machen nicht nur die anderen“ fand am 25.02.22 die Berliner Werkstatt Partizipative Forschung statt. Die Berliner Werkstatt Partizipative Forschung ist ein Projekt des Netzwerks Partizipative Gesundheitsforschung (PartNet) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Soziale Gesundheit der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB). Sie bietet allen partizipativ Forschenden und interessierten Personen die Möglichkeit, über Ideen, Methoden und Konzepte sowie Herausforderungen Patrizipativer Forschung in den Austausch zu kommen und im Sinne einer Werkstatt gemeinsam verschiedene Fragestellungen zu bearbeiten und diskutieren. Zum dritten Mal in Folge fand die diesjährige Werkstatt online statt (https://www.khsb-berlin.de/en/node/203755).

Auch das Projekt ReWiKs war in diesem Jahr bei der Berliner Werkstatt für Partizipative Forschung mit einem Beitrag zur Forschung in den Freiraum-Gruppen vertreten. Die beiden Freiraum-Begleiter*innen Britta Schade und Ellen Romberg-Hoffmann haben gemeinsam mit Katarina Prchal und Carina Bössing, Forscher*innen an der Humboldt-Universität, das partizipativ orientierte Forschungsvorhaben in den Freiraum-Gruppen vorgestellt. Enstprechend des Titels „Wir sind die Praktiker*innen, ihr seid die Theoretiker*innen“ – Wir lernen gemeinsam (partizipativ) forschen“ standen neben den Herausforderungen vor allem die Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten aller Beteiligten im Rahmen des gemeinsamen Forschungsprozesses im Fokus des 90-minütigen Themenworkshops. Einem Input der Freiraum-Begleiter*innen und Forscher*innen folgte eine lebhafte und kritische Diskussion. Beispielweise wurde über Stolpersteine und den Chancen eines partizipativ orientierten Forschungsformates diskutiert. Der Beitrag stieß auf positive Resonanz bei den Teilnehmer*innen der Werkstatt. Die Dokumentation der Berliner Werkstatt inkl. des Beitrages aus den Freiraum-Gruppen wird demnächst unter folgender Adresse online gestellt: http://partnet-gesundheit.de/materialien

Den Beitrag des ReWiKs-Projektes können Sie ab sofort auf der Zenodo-Seite des Projektes einsehen: https://zenodo.org/record/6419157

(CBö)

 

Februar 2022

Instagram

Das ReWiKs-Projekt hat eine neue Stufe der medialen Präsenz erreicht. Seit dem 21.01.2022 sind wir nun auf Instagram zu finden.

Innerhalb kürzester Zeit haben wir schon 100 Follower*innen gewonnen. Wir arbeiten fleißig weiter daran, den Account publik zu machen und freuen uns sehr, wenn auch Sie uns unterstützen würden, indem Sie den Account mit Kolleg:innen, Kommiliton:innen oder Freund:innen teilen.

Unsere ersten Beiträge sind ebenfalls schon veröffentlicht. Darin werden die Projektbereiche Reflexion, Wissen und Können sowohl in schwerer als auch in leichter Sprache vorgestellt.

In den kommenden Beiträgen planen wir, die drei Projekt-Module Lots*innen-Schulung, Freiraum-Gruppen und Medienpaket darstellen. Zukünftig möchten wir darüber hinaus aktuelle Themen, Ereignisse und Ergebnisse aus dem Projekt veröffentlichen. Wir streben an wöchentlich einen Post zu verfassen.

Schauen Sie gerne auf Instagram bei @rewiks_projekt vorbei.

Wir freuen uns Sie auf unserem Profil wiederzusehen!

Über diesen Link gelangen Sie ebenso zum ReWiKs-Instagram-Account: https://www.instagram.com/rewiks_projekt

(IE)

 

ReWiKs-Session bei Armut & Gesundheit

Auch in diesem Jahr ist das ReWiKs-Projekt wieder beim Kongress Armut & Gesundheit vertreten. Der Kongress findet in einem digitalen Format vom 22.3. - 24.3.22 statt. Hier geht es zur Kongress-Homepage: https://2022.armut-und-gesundheit.de/

In unserer Session am 23.03. von 16:00 - 17:30 Uhr unter dem Titel "Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Lernschwierigkeiten - Erkenntnisse des Projekts ReWiKs aus der Zeit der Corona-Pandemie" gehen wir auf die verschiedenen Erkenntnisse ein, die wir in den Freiraum-Gruppen und im Austausch mit den Fortbildungsteilnehmer*innen zum Thema sexuelle Selbstbestimmung unter "Coronabedingungen" sammeln konnten.

(TKr)

 

Januar 2022

Exklusiv! Kurz-Schulungen zum ReWiKs-Medienpaket in Alltagssprache und in einfacher Sprache

Im Februar finden zwei Kurz-Schulungen zum ReWiKs-Medienpaket statt. Eine Veranstaltung ist in Alltagssprache und eine Veranstaltung ist in einfacher Sprache.

Hier können Sie sich bei der BZgA anmelden: https://qualifizierung.sexualaufklaerung.de/kurzschulung-rewiks-medienpaket/

Für die Veranstaltung in einfacher Sprache finden Sie hier Informationen: https://hu.berlin/rewiks-info-medien-paket

 

Aktuelles aus der Evaluation der Freiraum-Gruppen

Die Freiraum-Gruppen im Projekt ReWiKs sind Austauschformate für Menschen mit Lernschwierigkeiten zu Themen rund um sexuelle Selbstbestimmung, wie Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Sie werden bundesweit an verschiedenen Standorten initiiert und durchgeführt. Die Gruppen werden von sogenannten Freiraum-Begleitungen unterstützt, Peer-Berater*innen mit Behinderungserfahrungen. Die wissenschaftliche Begleitung dieser Formate erfolgt durch Forscherinnen der Humboldt-Universität zu Berlin, die keine Behinderungserfahrungen haben.

Im Rahmen der Evaluation soll Aufschluss darüber gewonnen werden, welche Gelingensbedingungen und Herausforderungen sich bei der Initiierung und Durchführung der Formate in der Praxis identifizieren lassen sowie welche Wirkungen die Formate auf individueller Ebene bei den Teilnehmer*innen erzielen. Die Forschung verfolgt dabei einen partizipativ orientierten Ansatz. Das heißt, dass an allen Stellen des Forschungsprozesses die Beteiligung von Menschen mit Behinderungserfahrungen konsequent geprüft und wo es möglich ist, auch umgesetzt wird.

So werden bereits im Rahmen regelmäßiger Reflexionsschleifen zwischen Freiraum-Begleiter*innen und Forscher*innen die Freiraum-Gruppen konzeptionell angepasst, weiterentwickelt und begleitend erste Forschungsergebnisse diskutiert. Hierbei ist der Einbezug unterschiedlicher Erfahrungen der Akteur*innen mit und ohne Behinderungserfahrungen hervorzuheben.

Insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten sind jedoch bislang aufgrund vielfältiger Barrieren in der partizipativen Forschung unterrepräsentiert. In den Freiraum-Gruppen sollen perspektivisch auch die Teilnehmer*innen stärker in den Forschungsprozess einbezogen werden.

Um die Perspektive der Teilnehmer*innen der Freiraum-Gruppen abzubilden, werden im Zeitraum Dezember 2021 bis vsl. Mai 2022 leitfadengestützte Interviews mit Teilnehmer*innen aus verschiedenen Freiraum-Gruppen geführt. Ein Format, das die Teilnehmer*innen an der Auswertung der Interviews beteiligt und in die Reflexion der Forschungsergebnisse einbindet, wird derzeit konzipiert.

Erste Ergebnisse aus dem Forschungsprozess wurden bereits im Rahmen von Vorträgen, an denen z. T. auch Freiraum-Begleiter*innen beteiligt gewesen sind, veröffentlicht. Weitere Veröffentlichungen, wie z. B. wissenschaftliche Fachartikel und eine Handreichung, sind in Planung und erfolgen – entsprechend des partizipativ orientierten Vorgehens und in Abhängigkeit zum Format – ebenfalls unter Einbezug der beteiligten Personen.

(TKr, CBö)

 

 

Dezember 2021

Aktuelles aus der Evaluation der ReWiKs-Lots*innen Fortbildungen

Im Dezember finden im Rahmen der Evaluation der ReWiKs-Lots*innen Fortbildungen verschiedene Online-Befragungen von ReWiKs-Lots*innen statt. Zum einen enden die Fortbildungen in Kassel sowie der bundesweite Fortbildungsdurchlauf, sodass die teilnehmenden Lots*innen nach Abschluss der Fortbildung befragt werden, wie sie auf die Fortbildung zurückblicken und wie sie ihre Rolle als ReWiKs-Lots*in zum Ende der Fortbildung in ihrer Organisation wahrnehmen. Außerdem steht der Einsatz des Medienpaketes im Fokus der Erhebung.

Zum anderen steht die dritte Befragung der Lots*innen aus Berlin und Hamburg sechs Monate nach Abschluss der ReWiKs-Lots*innen Fortbildung an. Auch hierbei steht die Rolle und Funktion als ReWiKs-Lots*innen im Fokus der Erhebung. Zudem wird ein Blick auf die organisationalen Rahmenbedingungen geworfen, die die Arbeit der Lots*innen zur Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen maßgeblich mit beeinflussen. Im nächsten Jahr wird es spannend sein, die Antworten der ReWiKs-Lots*innen im zeitlichen Verlauf auszuwerten!

Die Ergebnisse werden im Nachgang des Projektes veröffentlicht.

(LUr)

November 2021

Ein Zugang zum digitalen ReWiKs-Medienpaket kann von interessierten Fachpersonen bei der BZgA beantragt werden! Hier finden Sie weitere Informationen. Da das ReWiKs-Medienpaket sehr umfangreich ist, werden im Jahr 2022 Einführungsveranstaltungen angeboten. Hier gelangen Sie zu den Terminen: https://hu.berlin/rewiks-medienpaket-22

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Im Rahmen der Lehre im Sommersemester (Seminar Prof. Dr. Jennessen "Differente Körper - pädagogische und soziologische Perspektiven") ist ein Podcast zum Thema Scham und Körpernormen entstanden, den wir Ihnen gerne empfehlen wollen. Der Podcast kann mit freundlicher Genehmigung der Autor*innen auf unserer Website angehört werden. Hier gelangen Sie zum Podcast.

 

Oktober 2021

Die Stiftung Leben pur hat ein auf maximal 12 Monate angelegtes Stipendium für wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten zum Thema "Körperlichkeit und Sexualität bei Menschen mit Komplexer Behinderung" ausgeschrieben. Bewerbungen sind bis 15.02.2022 möglich. Weitere Informationen finden Sie unter folgender Adresse: https://www.stiftung-leben-pur.de/preise-stipendien/preise-und-stipendien-leben-pur.html#c8543

Aus Sicht des Projekts ReWiKs befürworten wir diese Ausschreibung und möchten Studierende ermutigen, sich dafür zu bewerben. Rückfragen können Studierende gern an Prof. Dr. Sven Jennessen richten.

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Neues aus dem Bereich "Material"

Mit dem Medienpaket wollen wir am „Zahn der Zeit“ bleiben. So ist ein wichtiger Baustein der Materialentwicklung die Erstellung neuer Materialien. Die Corona-Pandemie hat uns auch in diesem Rahmen beschäftigt und so sind beispielsweise eine MehrWege-Geschichte zum Kontaktverbot und eine Ideensammlung zum Thema „Damit die Seele gesund bleibt“ in einfacher Sprache entstanden. Unter dem Motto „sexuelles Leben ist vielfältig“ wurden zudem eine MehrWege-Geschichte zum Thema Transgender in einfacher Sprache und dazu passende Informationen für Mitarbeitende entwickelt. Um das Material in der Praxis noch bekannter zu machen, werden zudem Erklärvideos entwickelt sowie Schulungen für Praxispartner*innen konzipiert. Diese Veröffentlichungen werden wir nach und nach in unserer ReWiKs-Bibliothek auf Zenodo veröffentlichen.

 

September 2021

"Im ReWiKs-Universum: Assistenz Teil I"

Seit Juni 2021 gehört Svenja Steinke zu den Freiraum-Begleiter*innen im Freiraum-Team. Sie wird ab November 2021 eine Freiraum-Gruppe im Nachbarschaftszentrum Pankow begleiten. Im Interview erzählt sie uns über Ihre Erfahrungen mit der persönlichen Assistenz und was für sie sexuelle Selbstbestimmung bedeutet.

In Zusammenarbeit mit Interselbst e.V., Aktion Mensch und Sight+Sound, Creative House Berlin hat sie einen Film über ihre Erfahrungen mit dem Persönlichen Budget gedreht, der über diesen Link abgerufen werden kann.

https://youtu.be/9oIbH6O9O0U

 

Welcher Unterschied besteht für Dich zwischen Betreuung und Assistenz?

Der Unterschied zwischen Persönliche Assistenz und Betreuung besteht für mich im Allgemeinen in der Frage: wie selbstbestimmt ich mein Leben führen kann? Die Assistenz ersetzt für mich in erster Linie „Arme und Beine“, also ich alleine treffe alle Entscheidungen in meinem Alltag und Leben selbstbestimmt.

Eigentlich ist also der Unterschied klar definiert, aber trotzdem gibt es in alltäglichen Assistenzsituationen immer wieder Momente, wo die Grenzen verschwimmen – wir sind halt alle keine Maschinen, sondern nur Menschen.

Ich versuche z.B. darauf zu achten, dass bei privaten Angelegenheiten, wenn ich bspw. Besuch habe oder telefoniere, die Assistenz den Raum oder die Wohnung verlässt. Die Assistenz ist in Situationen, bei denen ich die Assistenz nicht benötige auch nicht dabei.

Was ist für Dich wichtig bei der Suche nach einer passenden Assistenz?

Die Bewerber*innen müssen in erster Linie ein offenes Auftreten haben und eine ordentliche Portion Empathie mitbringen. Wichtig ist, dass sie auf meine Bedürfnisse eingehen können, aber auch ein Gespür dafür haben, wann es angebracht ist, sich zurückzuziehen.

Grundlegend ist für mich aber die Fähigkeit, Situationen zu reflektieren und die Bereitschaft darüber zu sprechen.

Wie kann ich mir die Reflexion mit den Assistent*innen vorstellen?

Gerade die neuen Assistent*innen, die bei mir anfangen, haben ein halbes Jahr Probezeit. Ich habe für mich Reflexionsbögen entwickelt, die ich dann jeden Monat mit den neuen Assistent*innen durchgehe. In den Reflexionsgesprächen entscheiden wir am Ende der Probezeit gemeinsam, ob die Assistent*in und ich uns die Zusammenarbeit vorstellen können.

Du bist im ReWiKs-Projekt eine unserer Freiraum-Begleiter*innen, was bedeutet für dich sexuelle Selbstbestimmung?

Bei sexueller Selbstbestimmung geht es für mich in erster Linie darum zu wissen, wer ich bin, was ich mag und was ich mir wünsche.

Sexuelle Selbstbestimmung fängt für mich auch schon bei den Fragen an: Welche Sexualität habe ich? Was bin ich eigentlich? Bin ich schwul, lesbisch, transsexuell, queer? Habe ich vielleicht auch mein Geschlecht gar nicht definiert?

Um die eigenen sexuellen Bedürfnisse zu definieren ist es erstmal wichtig zu wissen, was man mag – was sich leichter anhört, als es in der Realität tatsächlich ist. Ich muss also meinen Körper gut kennen, um meine Vorlieben zu kennen und sie auch ausleben zu können. Ich muss mich auch fragen, wie und wo ich meine Sexualität auslebe, also ob ich meine Sexualität mit anderen, in einer Partnerschaft, oder alleine leben möchte.

Ich lebe mit Assistenz und die Assistenz bekommt ja zwangsläufig viel aus meinem Leben mit. Ich kann mich weder allein ausziehen, noch Vorbereitungen treffen. Weil ich eben mehr Unterstützung brauche als Menschen ohne Behinderung, bin ich in meiner Sexualität mehr eingeschränkt.

„Ach Behinderte haben Sex?“ Ist meiner Erfahrung nach die erste Reaktion in der Gesellschaft. Darauf folgt meist: Wie soll das gehen, wie willst DU denn SEX haben? Also muss man den Leuten erklären, dass das sehr wohl geht, anatomisch nicht anders funktioniert, es einfach mehr Vorbereitung und Unterstützung bei bestimmten Dingen bedarf, dass man ansonsten aber ein ganz normaler Mensch ist.

(KPr, SSt)

 

 

August 2021

Updates aus dem Freiraum-Team und den Freiraum-Gruppen

Aus dem Freiraum-Team verabschiedet sich unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Lena Grans-Wermers in die Elternzeit. Das ReWiKs-Team wünscht alles Gute und Liebe und freut sich auf ein Wiedersehen!

Gleichzeitig begrüßt das ReWiKs-Team an anderer Stelle zwei neue Freiraum-Begleiterinnen für die Region Berlin, die sich gemeinsam mit den ReWiKs-Mitarbeiter*innen momentan in der Vorbereitung und Planung der Freiraum-Gruppe befinden.

Aufgrund der bisherigen COVID-Einschränkungen, konnten die bereits geplanten regionalen Freiraum-Gruppen in Regensburg, Köln und Stuttgart noch nicht in Präsenz starten. Den Umständen entsprechend bietet das Freiraum-Team deswegen gemeinsam mit einer Freiraum-Begleiterin seit Februar 2021 eine überregionale digitale Freiraum-Gruppe an, an der mittlerweile bis zu 18 Nutzer*innen von Wohnangeboten der Eingliederungshilfe aus verschiedenen Regionen Deutschlands teilnehmen. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat und wird bis zum Ende des Jahres angeboten. Es wurde schon viel über Themen wie Liebe, Beziehungen und Dating, aber auch über Assistenz, Freizeit und wie erwartet über Corona gesprochen.

Davon inspiriert sind auch die Freiraum-Gruppen in Regensburg und Köln digital gestartet, um einen ersten Zugang zu den Bewohner*innen der Wohneinrichtungen zu schaffen. In Köln gibt es eine geschlechtergemischte Freiraum-Gruppe. In Regensburg ist ebenfalls eine geschlechtergemischte sowie eine kleinere Freiraum-Gruppe für Frauen entstanden, da für einige Frauen das Interesse an einem Austausch untereinander besteht. Die jeweiligen Gruppen treffen sich auch hier einmal im Monat online über zoom und haben bereits dreimal stattgefunden.

Momentan befinden sich die Gruppen und die Freiraum-Begleiter*innen in der Sommerpause und starten zunächst im September wieder online. Das Freiraum-Team und die Freiraum-Begleiter*innen hoffen jedoch darauf, dass die Gruppen im Herbst wie angedacht in Präsenz übergehen können.

An dieser Stelle möchte sich das ReWiKs-Team für das Engagement aller Freiraum-Begleiter*innen bedanken, die sich mit viel Mühe, Zeit und Vorbereitung auf die Umstellung zum digitalen Angebot eingelassen haben und die Freiraum-Gruppen durchführen.

(IE)

 

Juli 2021

Diskussion des ReWiKs-Teams zum Film "Because of my body"

Sexualbegleitung und Sexualassistenz können Menschen mit Behinderung die Möglichkeit eröffnen, ihre Sexualität zu leben. Ohne dass die Begrifflichkeiten im Fachdiskurs oder auch in der Öffentlichkeit trennscharf gedacht werden, geht es bei der Begleitung vorrangig um gemeinsamen Körperkontakt, Nähe und die Möglichkeit des Geschlechtsverkehrs, wohingegen bei der Sexualassistenz die Unterstützung von Paaren bei der Realisierung von Sex, Beratung und praktische Unterstützung – z.B. beim Besuch eines Sexshops im Vordergrund stehen. In beiden Fällen handelt es sich um bezahlte sexuelle Dienstleistungen, die der Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung der Klient*innen dienen. In der Beschreibung des Dokumentarfilms „Because of my body“ des Regisseurs Francesco Cannavà heißt es:

„Die 21-jährige Claudia leidet seit ihrer Geburt unter der Fehlbildung Spina bifida, im Volksmund als "offener Rücken" bezeichnet. Nach Jahren voller Diskriminierung und Einsamkeit macht sie sich auf den Weg, ihre Sexualität zu entdecken. Ein sogenannter Sexualassistent soll ihr dabei behilflich sein. Doch dann geraten Claudias Gefühle durcheinander...“

(Der Film lief in der Arte-Mediathek, ist aktuell aber leider nicht mehr verfügbar. Infos zum Film unter: https://bbfilm.tv/en/card/because-of-my-body)

Mitarbeiter*innen des ReWiKs-Teams haben sich diesen Film angesehen und stellt fest:

  • Claudia wird in weiten Teilen des Films bevormundet und ihre Selbstbestimmung massiv eingeschränkt. Das durchgängig gezeigte Machtfälle zwischen ihr und ihrem Umfeld scheint sowohl durch ihre körperliche Beeinträchtigung als auch durch ein Frauenbild geprägt zu sein, das einen selbstbewussten Umgang mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen weitgehend negiert.
  • Auch im Kontakt mit dem Sexualassistenten hat nicht sie die Entscheidungsmacht – weder über die grundsätzliche Gestaltung der Beziehung, noch über die konkreten sexuellen Situationen.
  • Es wird ein Bild von Sexualassistenz vermittelt, das nicht ihrer originären Idee entspricht und auf der Grundlage einer unklaren Rechtslage in Italien von einer elementaren Diffusität bzgl. ihres Auftrags, ihres Ziels und der Rollen von Nutzerin und Anbieter geprägt ist.
  • Für eine realistischere und Selbstbestimmung tatsächlich ermöglichende Darstellung empfehlen wir eine Dokumentation über Sexualbegleitung in Deutschland am Beispiel der Begleiterin Edith Arnold: https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-die-beruehrerin-100.html

Da sexuelle Selbstbestimmung immer auf der Erfahrung und Ermöglichung von Selbstbestimmung fußt, möchten wir zudem auf den absolut hörenswerten Podcast verweisen, den DIE NEUE NORM unter dem Titel „Behindertenwohnheime - Realität und Alternativen“ am 28.05.2021 auf BR2 veröffentlicht hat:

Nachdem vier Bewohner*innen in einem Pflegeheim in Potsdam getötet wurden, ist der mediale Aufschrei verklungen. Wir beleuchten in unserem Bayern 2-Podcast, wie über die Tat berichtet wurde. Außerdem stellen wir uns die Frage, welche strukturellen Probleme in solchen Einrichtungen herrschen und welche alternativen Wohnformen es gibt.

https://podcasts.apple.com/de/podcast/pdf-behindertenwohnheime-realit%C3%A4t-und-alternativen/id1499951166?i=1000523387072

 

(SJe)

 

 

Juni 2021

Befragung „Digitalisierung und Medienbildung in Wohnangeboten der Eingliederungshilfe“

 

Bis 15.07.21  hatten Mitarbeiter*innen aus Wohnangeboten der Eingliederungshilfe die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Befragung, die auf das Thema digitale Teilhabe und Infrastruktur in diesen Einrichtungen abzielt.

Hier gelangen Sie zur Website: https://hu.berlin/dig_teilhabe

 

Neue ReWiKs-Lots*innen erweitern die sexuelle Selbstbestimmung im Lebensbereich Wohnen der Eingliederungshilfe

 

Die ReWiKs-Lots*innen Fortbildung in Oranienburg/Berlin und Hamburg ist in diesem Monat nach der erfolgreichen Teilnahme an der Abschlussveranstaltung beendet. Fast 50 neue ReWiKs-Lots*innen gehen mit dem ReWiKs-Medienpaket und einer Erkenntnis im Gepäck aus den abwechslungsreichen online-Veranstaltungen: "Die eigentliche Arbeit rund um Themen der sexuellen Selbstbestimmung in den Organisationen fängt nun richtig an".

Daher setzen sich viele Lots*innen SMARTE - Ziele, um den positiven "Flow" aus der Weiterbildung in konkrete Handlungen zu überführen. Diese reichen von Ideen zu themenzentrierten Bildungsangeboten in der jeweiligen Organisation, über neu durchdachte Konzeptionsansprüche, bis hin zu Ideen umfassenderer Organisationsentwicklungsmaßnahmen, um die sexuelle Selbstbestimmung nachhaltig zu erweitern. Das Fortbildungsende ist zugleich der Beginn eines neuen Angebotes für die Teilnehmenden: Die regionale Vernetzung von ReWiKs-Lots*innen zu Themen der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen in Wohnangeboten. Auch hier wird das Forschungsprojekt zukünftig wirksam: Gemeinsam mit den ReWiKs-Lots*innen werden nun passgenaue regionale ReWiKs-Foren als Vernetzungsangebot zu Themen der sexuellen Selbstbestimmung erarbeitet.

Die Abbildung zeigt die Ergebnisse einer Umfrage unter 25 Fortbildungsteilnehmenden aus der Abschlussveranstaltung am Standort Oranienburg. Der Austausch untereinander, der Reflexionsprozess, die Besprechung ethischer Problemstellungen und die Nutzung bzw. Auseinandersetzung mit den Leitlinien gelingender sexueller Selbstbestimmung gefällt vielen der ReWiKs-Lots*innen sehr. Auch Impulse zur Organisationsentwicklung und die Karikaturen aus dem ReWiKs-Medienpaket gefallen vielen. Es wird deutlich wie breit die angebotenen inhaltlichen Impulse in der Fortbildung sind.

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(AN)

 

Mai 2021

Wir nehmen Abschied von Frank Kühlborn

Über 3 Jahre lang war er Teilnehmer einer Pilot-Freiraum-Gruppe und später auch des Projekt-Beirats und hat mit seinen Ideen, Gedanken und dem offenen Teilen seiner Gefühle sich und Menschen, die in Wohneinrichtungen leben eine Stimme gegeben. Er wollte darauf aufmerksam machen, was verändert werden darf. Auch zukünftig hätte er gerne über diese Dinge erzählt, um sie mit der Welt zu teilen. Er zeigte oft eine so tiefe Dankbarkeit dafür, Teil des Projekts sein zu dürfen, ohne wirklich zu realisieren, wie sehr er es selbst bereicherte. Oft erzählte er von seinen Kämpfen mit seinem Körper, der Liebe und dem Leben und immer wieder durften wir in den Treffen der Freiraum-Gruppe und auch auf der ReWiKs-Abschlusstagung 2018 seinem Humor und seinen ergreifenden, ehrlichen Worten lauschen. Ebenso machte ihn eine immerwährende Offenheit und Neugier für ehrliche Konfrontation und die Impulse der Anderen aus.

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Danke Frank!

 

Du bleibst uns unvergessen!

(JTr)

 

April 2021

Die Corona-Pandemie als Auslöser für unser Positionspapier

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie erreichten uns im Rahmen des Projektes Berichte und Erfahrungen von sehr herausfordernden Lebenssituationen von Menschen mit Lernschwierigkeiten, die in besonderen Wohnformen leben. Wir sahen uns in der Verantwortung, diese zu erfassen, sichtbar zu machen und auf unseren Projekt-Schwerpunkt, die sexuelle Selbstbestimmung, zu fokussieren. Im gemeinsamen Austausch des Projekt-Teams ist so ein Positionspapier mit dem Titel „Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Krisenzeiten“ entstanden. Zukünftig ist geplant, dieses auch in Leichte Sprache übersetzen zu lassen. Die aktuelle Version kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: http://doi.org/10.5281/zenodo.4736990

(SB)

 

März 2021

Projekt ReWiKs auf dem Kongress Armut und Gesundheit 2021

Unter dem Titel „Partizipation in Projekten zur sexuellen Selbstbestimmung und Bildung von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen“ fand am 18.03.2021 das gemeinsame Fachforum des Projekts ReWiKs und des Projekts Herzfroh 2.0 statt (Link zum Abstract).

Das Fachforum widmete sich der Frage, wie Partizipation in (Forschungs-)Projekten umgesetzt, gewollt und gelebt werden kann und wie sich diese Haltung auf die Inhalte, den Verlauf der Projekte sowie die Qualität der Ergebnisse auswirkt.

Der Fokus der Darstellung des Projekts ReWiKs (Powerpoint des Vortrags hier) lag auf der Partizipation im Bereich der Freiraum-Gruppen und der Schilderung der bisher gemachten Erfahrungen. Beim Aufbau der Gruppen wird ein enges partizipatives Vorgehen zwischen Freiraum-Begleitungen und Forscherinnen aus der HU Berlin umgesetzt. Im „Stufenmodell der Partizipation“ nach Wright et al. (2010) entspricht dies der Stufe der „Entscheidungsmacht“, was die höchste Stufe im Bereich der Partizipation ist. Die Freiraum-Begleitungen sind in alle Prozesse beim Aufbau der Gruppen eingebunden. Auch bei der Begleitforschung spielen sie eine wesentliche Rolle, indem Sie die Ergebnisse interpretieren und teilweise mitentscheiden, welche thematischen Fokus die Evaluation bearbeiten soll (zwischen den Stufen „Einbeziehung“ und „Mitbestimmung“).

Das Projekt Herzfroh 2.0 wurde die Projektbeteiligten vorgestellt.

In der auf die Vorstellung der Projekte folgenden Talkrunde berichteten zwei Teilnehmende aus beiden Projekten von Ihren Erfahrungen.

Beide Personen fühlten sich in Ihrer Rolle ernst genommen. Die Zusammenarbeit klappte sehr gut und problemlos. Für Projekte, die die Lebenswelten und Zielgruppe von Menschen mit Behinderungen zum Gegenstand haben, sei es sehr wichtig, dass ein Einbezug von Anfang an stattfinde. Menschen mit Behinderungen sollten in alle Phasen eingebunden sein („nichts über uns ohne uns“). Dabei gebe es viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie dies geschehen könne. Wichtig sei es in partizipativen Projekten eine gute Aufgabenklärung und Rollenbeschreibung zu entwickeln, um Verantwortlichkeiten zu regeln. Dazu befragt, was sie bei der bisherigen Zusammenarbeit im Forschungsprojekt gelernt habe, sagte eine Beteiligte: „Das eine ist die Theorie und das andere ist die Praxis. Und ich glaube wir können nicht ohne einander.“ Die Forschung brauche die Anbindung an die Realität und gleichzeitig sei die Forschung wichtig, damit die Praxis etwas lernen könne.

Aus Sicht von Projekten sei die Partizipation von Akteur*innen es für den Projekterfolg sehr wichtig. Sie können als Türöffner und Brückenbauer für das Projekt in der Praxis und der jeweiligen Region dienen und sorgen dafür, dass relevantes lebensweltliches Wissen in das Projekt und die entstehenden Ergebnisse einfließen kann und diese so passgenauer werden.

 

*Literatur: Wright, M. T., von Unger, H. & Block, M. (2010) Partizipation der Zielgruppe in der Gesundheitsförderung und Prävention. In M. T. Wright (Hrsg.), Partizipative Qualitätsentwicklung in der Gesundheitsförderung und Prävention (35-52). Bern: Huber.

(TKr)