Forschung
Laufende Forschungsprojekte

(OrBiT): „Doing disabled transitions: Organisationale Behinderungen im Transitionsprozess"
Projektlaufzeit: 2026-2029
Projektförderung: Hans-Böckler-Stiftung
Projektteam HU Berlin:
Projektleitung: Prof. Dr. Jonna M. Blanck, Prof. Dr. Gudrun Wansing
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Sarah Karim
Projektteam Leibniz-Universität Hannover:
Projektleitung: Prof. Dr. Marc Thielen
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Jule Lütge
Mit der Unterzeichnung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) verpflichtet sich Deutschland, sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen ohne Diskriminierung und gleichberechtigt Zugang zu allgemeiner Berufsausbildung haben (Art. 24, Abs. 5) und die Möglichkeit erhalten, ihren Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, inklusiven und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird (Art. 27, Abs. 1). Die Teilhabe am Arbeitsleben ist eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Zugehörigkeit und Anerkennung. Der Vorbereitung und Gestaltung von Übergängen von der Schule in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kommt eine große Bedeutung zu, weil hier zentrale Weichen für erwerbsbiografische und gesellschaftliche Teilhabechancen gestellt werden Jugendliche mit ‚Behinderungen' weisen jedoch eine geringe Ausbildungs- und Erwerbsbeteiligung auf. Zum Übergang von Jugendlichen mit ‚Behinderungen‘ von der Schule in die berufliche Ausbildung und Beschäftigung gibt es bislang nur wenig Forschung. Es liegen jedoch empirische Hinweise darauf vor, dass sich Bildungs- und Teilhabechancen nicht erst beim Zugang zu Ausbildungsplätzen bzw. einer betrieblichen Beschäftigung eröffnen oder verschließen, sondern bereits zu einem bildungsbiografischen frühen Zeitpunkt im Rahmen der schulischen Berufsorientierung und Übergangsplanung. Beteiligt sind sowohl schulische als auch wohlfahrtsstaatliche Akteure, die in der Forschung bislang überwiegend getrennt untersucht werden.
Das Projekt OrBiT untersucht (1) die Anbahnung von Übergängen im Zuge der schulischen Berufsorientierung, (2) die Planung von Übergängen am Ende der Schulzeit sowie (3) die wohlfahrtsstaatliche Förderung von beruflicher Bildung und Beschäftigung bei Jugendlichen mit ‚Behinderungen‘ sowie das Zusammenwirken der beteiligten Akteure. Hierzu werden leitfadengestützte Expert:inneninterviews mit relevanten Akteuren schulischer und wohlfahrtsstaatlicher Organisationen geführt und inhaltsanalytisch ausgewertet. Mittels der Kontrastierung von zwei Untersuchungsregionen mit unterschiedlichen Schulsystemen und schulischen Inklusionsquoten trägt das Projekt variierenden Kontextbedingungen zur Vorbereitung und Gestaltung beruflicher Übergänge im Kontext ‚Behinderung‘ Rechnung.
Ziel ist es zu verstehen, inwiefern berufliche Bildungs- und Beschäftigungschancen im Regelsystem durch das Zusammenwirken von organisationalen Akteuren im Kontext von ‚Behinderung‘ gestaltet werden.
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Teilhabe und soziale Ungleichheit an der Schnittstelle von Behinderung und Migration – Eine Sekundärauswertung der Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen
Forschungsverbund mit der Hochschule Fulda (Prof. Dr. Markus Schäfers) und der Universität Kassel (Prof. Dr. Manuela Westphal)
Projektlaufzeit: 2026-2028
Projektförderung: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Die Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen gilt als Meilenstein der Teilhabeforschung. Neben Beeinträchtigungsmerkmalen erhebt sie auch Migrationsvariablen. Diese Daten wurden bislang jedoch nicht systematisch ausgewertet. Das vorliegende Projekt schließt diese Erkenntnislücke mittels einer Sekundäranalyse der vorhandenen Daten.
Auf deskriptiver Ebene wird untersucht, wie sich Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und Migrationshintergrund in verschiedenen Lebensbereichen und -phasen darstellt, etwa bei Bildung, Einkommen, sozialen Netzwerken und politischer Teilhabe. Die vertiefende Analyse fragt nach dem Zusammenwirken von Migration und Behinderung: In welchen Bereichen wirkt welcher Faktor? Wie wirken Behinderung und Migration zusammen, wo verstärken sich beide Merkmale gegenseitig?
Theoretisch verortet sich die Studie in der Ungleichheitsforschung und fragt nach systematischen Unterschieden in den Teilhabechancen sozialer Gruppen sowie deren gesellschaftlichen Ursachen.
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VinkA | Mit Vielfalt zum inklusiven Arbeitsmarkt – Aufgaben für das Reha- und Teilhaberecht
Projektlaufzeit: 09.2024 - 08.2027
Projektförderung: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
in Kooperation mit
- Deutsche Vereinigung für Rehabilitation e. V. (DVfR)
- Prof. Dr. Dörte Busch (Zentrum für Sozialforschung Halle; Professur für Zivil- und Sozialrecht, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin)
- Prof. Dr. Wolfhard Kohte (Zentrum für Sozialforschung Halle)
- Prof. Dr. Katja Nebe (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht, Recht der Sozialen Sicherheit)
- Prof. Dr. Felix Welti (Universität Kassel, Fachgebiet Sozial- und Gesundheitsrecht, Recht der Rehabilitation und Behinderung)
Projektwebsite der DVfR: https://www.reha-recht.de/vinka#c2435
Projektstandort HU Berlin
Projektleitung: Prof. Dr. Gudrun Wansing
Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Ulrike Peters (M.A.), Dr. Tonia Rambausek-Haß
Studentische Mitarbeiter*innen: Marianna Kussler (B.A.), Leander Wiesner
Am Projektstandort der HU Berlin werden im Schwerpunkt Fragestellungen der Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit Behinderungen und Migrationshintergrund untersucht.
Hintergrund
Spätestens mit den neuen Zuwanderungen im Rahmen der Fluchtmigration seit dem Jahr 2015 und aktuell im Kontext des Krieges gegen die Ukraine stellen sich erneut und verstärkt Fragen nach der Lebenssituation von (schwer-)behinderten Menschen mit Migrations- und/oder Fluchterfahrungen und der Verwirklichung ihrer Teilhabe am Arbeitsleben. Zu denken ist aber auch an zugewanderte Menschen (und ihre Nachkommen), die schon seit Jahren oder Jahrzehnten in Deutschland leben und im Laufe des Arbeitslebens gesundheitliche Beeinträchtigungen und (Schwer-)Behinderungen erwerben. Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen mit Migrationshintergrund seltener Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation beantragen oder in Anspruch nehmen sowie geringere Rehabilitationserfolge und höhere Frühverrentungsquoten aufweisen. Zudem werden „migrationsspezifische Zugangshemmnisse“ beim Zugang zur beruflichen Rehabilitation beobachtet. Unter den Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung ist von einer statistischen Unterrepräsentanz von Menschen mit nicht-deutscher Nationalität im Vergleich zu den Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft auszugehen.
Neben möglichen Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und beruflichen Tätigkeitsmerkmalen kann die Unterrepräsentanz auch auf mögliche (migrations-, beziehungsweise sprach- und bildungsspezifische) Barrieren in der Anerkennung des Schwerbehindertenstatus hinweisen, die mit negativen Folgen für mögliche Ansprüche auf Leistungen der (beruflichen) Rehabilitation einhergehen können.
Die Gestaltung eines inklusiven Arbeitsmarktes, der die Verschiedenheit von Menschen mit Behinderungen anerkennt und ihr (Arbeitskräfte-)Potenzial in einer (Post-)Migrationsgesellschaft berücksichtigt, muss auch die (migrationsspezifischen) Voraussetzungen dieses Personenkreises und hierauf bezogene Barrieren in den Blick nehmen und (Mehrfach-)Diskriminierungen entlang von (zugeschriebenen) sozialen Merkmalen und Zugehörigkeiten (wie Hautfarbe, nationale Herkunft, Religion), verhindern. Zur Förderung ihrer Teilhabe am Arbeitsleben, gilt es zudem das System der beruflichen Rehabilitation migrations- und fluchtsensibel auszugestalten.
Projektziele
Am Projektstandort HU Berlin soll der Themenschwerpunkt der Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit (Schwer-)Behinderung und Migrationshintergrund im Rahmen von drei Teilmodulen bearbeitet werden.
Modul A: Repräsentative Daten zur Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit (Schwer-) Behinderung und Migrationshintergrund (Sekundäranalyse Repräsentativbefragung)
Es soll die quantitative Datenlage zur Erwerbssituation und Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit (Schwer-)Behinderung und Migrationshintergrund verbessert werden, um Informationen über die Verwirklichung eines inklusiven Arbeitsmarktes bzw. der Teilhabe am Arbeitsleben unter besonderer Berücksichtigung des Grundsatzes der Anerkennung der Verschiedenheit von Menschen mit Behinderungen nach Artikel 3 lit. d UN-BRK (hier im Hinblick auf Migrationsaspekte) bewerten und ggf. notwendige politische Maßnahmen ableiten zu können. Hierzu soll eine Sekundäranalyse der im Auftrag des BMAS durchgeführten Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung durchgeführt werden.
Modul B: Partizipativ-explorative Studie zu Barrieren und Förderfaktoren der Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit (Schwer-)Behinderung und Migrationshintergrund
Modul B: Zur qualitativen Vertiefung und Ergänzung soll zum einen eine partizipativ-explorativ angelegte Studie zu den subjektiven Perspektiven von Menschen mit (Schwer-)Behinderung und Migrationshintergrund auf ihren Zugang zum Arbeitsmarkt und zum System der (beruflichen) Rehabilitation, auf Barrieren und Förderfaktoren sowie auf notwendige Unterstützung durchgeführt werden. Zum anderen sollen Interviews mit Beratungskräften geführt werden, deren Angebote sich an Menschen mit Behinderungen oder/ und Migrationshintergrund richten, um spezifische Informations- und Beratungsanliegen an den Schnittstellen von Behinderung und Migration zur Teilhabe am Arbeitsleben zu identifizieren. Die Ergebnisse dienen der Ableitung von konkreten Handlungsempfehlungen zur Förderung eines inklusiven Arbeitsmarktes, der Teilhabe am Arbeitsleben aus Sicht des betroffenen Personenkreises und feldspezifischer Beratungsangebote sowie ggf. deren Verbesserung und Erweiterung.
Modul C: Transfer und Vernetzung
Modul C: Der dritte Baustein des Projektschwerpunktes dient dem Transfer der Ergebnisse aus den Modulen A und B in die Praxis sowie der Vernetzung der feldspezifischen Akteure, um den Informationsstand zu verbessern und die Aufklärung zur Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit (Schwer-)Behinderung und Migrationshintergrund zu unterstützen.
Publikationen
- Wansing, Gudrun; Peters, Ulrike; Rambausek-Haß, Tonia (2025): Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit (Schwer-)Behinderung und Einwanderungsgeschichte. Teilprojekt der Humboldt-Universität zu Berlin
im Rahmen des Projektes VinkA. In: Recht und Praxis der Rehabilitation (RP Reha), 2, S. 20-25.
Diskussionsforum Rehabilitations- und Teilhaberecht
Die Forschungsergebnisse zum Rehabilitations- Teilhaberecht werden fortlaufend auf der projekteigenen, barrierearmen Internetplattform (www.reha-recht.de) in interdisziplinären Fachbeiträgen für verschiedene Zielgruppen dargestellt und erläutert, teilweise auch in Leichter Sprache. Interessierte Leser:innen sind aufgefordert, sich an der aktuellen Diskussion zu beteiligen, indem sie Fachbeiträge kommentieren können. Darüber hinaus finden in regelmäßigen Abständen moderierte Online-Diskussionen sowie eigene Fachtagungen statt.
Kontakt:
Humboldt-Universität zu Berlin
Fakultät für Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaften
Institut für Rehabilitationswissenschaften
Georgenstraße 36
10117 Berlin
Prof. Dr. Gudrun Wansing (Projektleiterin)
Tel: 030 2093-66722
gudrun.wansing@hu-berlin.de
Dr. Tonia Rambausek-Haß (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Tel.: 030 2093-66745
tonia.rambausek@hu-berlin.de
Ulrike Peters, M.A. (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Tel.: 030 2093-66745
Ulrike.peters.1@hu-berlin.de
Abgeschlossene Forschungsprojekte
- InBeBi Rheinland Inklusive berufliche (Aus-)Bildung von Jugendlichen mit Schwerbehinderung im Rheinland. Zugänge, Gestaltung und Verbleib (2020-2024)
- Zugänglichkeit – Inklusion – Partizipation. Nachhaltige Teilhabe an Arbeit durch Recht (2021-2024)
- Evaluation der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeforschung - EUTB (2018‐2022, Förderung: BMAS)
- Graduiertenkolleg "Inklusion - Bildung - Schule: Analysen von Prozessen gesellschaftlicher Teilhabe" (2018-2022, Förderung: Hans-Böckler-Stiftung)
- Partizipatives Monitoring der aktuellen Entwicklung des Rehabilitations- und Teilhaberechts 2021
- Partizipatives Monitoring Rehabilitations- und Teilhaberecht (2015-2018, gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales)
- Evaluation von Peer Counseling Anlaufstellen und Beratungsangeboten (2014-2017)
- INDIVERSO - Inclusive diverse solutions for vocational education and training (2014-2017)
- GiB - Gemeinsam in Bewegung. Inklusionsorientierte Sport- und Bewegungsangebote in der Region Kassel
- Teilhabe am Arbeitsleben? Die Werkstatt für behinderte Menschen aus Sicht der Beschäftigten (2012-2016)
- An die Arbeit – mit Persönlichem Budget! Neue Steuerung der Leistungen und Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen in Werkstätten und Berufsbildungswerken (2008-2010)