Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens und Allgemeine Rehabilitationspädagogik

Empirische Forschungswerkstatt

Die empirische Forschungswerkstatt ist ein Angebot der Fachabteilung Pädagogik bei Beeinträchtigungen des Lernens und Allgemeine Rehabilitationspädagogik für Studierende und Forschende des Institutes der Rehabilitationswissenschaften. In diesem Sinne ist sie sowohl ein Ort/ Raum (Geo 36, 114) als auch eine Forschungsgemeinschaft (Peer), die Verständnis und Orientierung von Forschungsprozessen als reflektierte und interpretative Annäherung an (soziale oder kulturelle) Wirklichkeit(en) teilt, welche am besten kooperativ ausgestaltet werden.

In diesem Zusammenhang haben Wissenschaftler*innen und Studierende des Instituts die Möglichkeit, sich im Kontext der Forschungswerkstatt zu vernetzen, Forschungsprojekte zu konzipieren und durchzuführen. Die zentrale Idee, welcher die Forschungswerkstatt folgt, ist also eine des forschenden Lernens, die grundsätzlich offen ist, zur Umsetzung innovativer Forschungs- und Lernprojekte einlädt und ein Stück weit Infrastruktur und Expertise (im Kontext qualitativ- rekonstruktiver Methodologie) zur Verfügung stellt.

Praktisch werden in erster Linie Abschlussarbeiten realisiert und beraten, die auf selbst erhobenen Daten insbesondere aus dem LFP im Praktikumssemester (narrative und biographische Interviews, Gruppendiskussionen, teilnehmende Beobachtung und Videos), anderweitigen Erhebungen und Sammlungen (Dokumentenanalyse, Interpretation von Bild- und Textmaterial aus Medien, Kunst und (Pop-)Kultur) oder den Daten der o.g. Fachabteilung (insbesondere Videodaten aus inklusivem Grundschulunterricht) basieren.  

Derzeit sind die folgenden Aktivitäten zu verzeichnen:

  1. Colloquium „Empirische Forschungswerkstatt“ (als Forschungswerkstatt im engeren Sinne, jeweils im SoSe): Im Colloquium werden (zweiwöchentlich freitags) Projekte vorgestellt, die sich in unterschiedlichen Phasen des Forschungsprozesses (Projektideen und -konzeption, Entwicklung von Fragestellungen, Vorbereitung und Durchführung der Datenerhebung und Samplekonstruktion, (gemeinsame) Interpretation und Analyse des empirischen Materials, Ergebnispräsentation (Veröffentlichung, Poster, etc.)) befinden, gemeinsam diskutiert und bearbeitet.
  2. Interaktion im inklusiven Grundschulunterricht: Die Forschungswerkstatt verfügt über einen Pool an Videoaufnahmen von inklusivem Grundschulunterricht (Deutsch, Mathe, Sachunterricht), die im Sinne (re)konstruktiver Inklusionsforschung (Budde, Dlugosch & Strum 2017) und*oder vermittels dokumentarischer Unterrichtsforschung (Martens & Asbrand 2018a&b) zum Gegenstand von Abschlussarbeiten gemacht werden können. In diesem Zusammenhang bieten sich insbesondere Fragen zur Konstruktion und Anerkennbarkeit von Normen, (inklusiven) Kulturen und Beziehungen sowie der Herstellung von Unterrichtung und Kooperation im Unterricht als Analysefokus an. (Im Forschungsprozess wird so die Phase der Datenerhebung (aus-)gespart; in diesem Zusammenhang sind Möglichkeiten bzgl. der Entwicklung der Fragestellung und des Forschungsgegenstandes notwendigerweise limitiert.)
  3. Lernen in hochschul(didaktisch)en Kontexten: "Wer erfolgreich Lehren möchte, wird Lernen nicht ignorieren können" (Böss- Ostendorf & Senft 2010). Diese einfache Annahme ist allererst treffend, wie sie den Begriff des Lernens gleichermaßen als (konstitutiven ) Grundbegriff des Pädagogischen (Prange 2012) und damit pädagogischer Praxis markiert (Ricken 2010). Insofern wird danach gefragt, wie der Begriff und das Phänomen "Lernen" von Studierenden konstruiert und gerahmt werden. Mithilfe Verfahren der praxeologischen Wissensoziologie werden Gruppendiskussionen, Studienprojekte und Seminarergebnisse zum Thema "Lernen" und Interviews ausgewertet (und erhoben), um Orientierungen bzgl. pädagogischer Grundbegriffe (Lernen, Sozialisation und Entwicklung) sowie - letztendlich - Wissen über pädagogische Probleme und Phänomene rekonstruieren, typisieren und beschreiben zu können.
  4. Aus Geschichte(n) lernen - Zur Konstruktion von (Lern-)Behinderung: Die Darstellung von (Lern-) Behinderung in den Medien und die Inszenierung von (Lern-) Behinderung in Kunst- und Kultur sind sowohl für deren Un*Sichtbarkeit (Renggli 2005) (mit-)verantwortlich, darüber hinaus aber auch geprägt von Alltäglichkeit und Kultur und prägen diese wiederum, evozieren folglich Bilder und Identität (Radtke 2003) doppelt: Sie zeugen von ihr und erzeugen sie. Usf. Insofern lohnt es durchaus, Medien-, Kunst- und Kulturgüter zum (empirischen) Gegenstand einer Suche danach zu machen, wie Kategorisierungsprozesse von Behinderung ggü. Normalität als „interaktiv hergestellte und strukturell verankerte Komplementaritäten“ (Waldschmidt 2005) performiert werden. Doch auch die Medien-, Kunst und Kulturrezeption und -lektüre selbst gilt es in den Blick zu nehmen, wenn ihr Gegenstand nicht lediglich geprägt ist, sondern prägende, schaffende, subjektivierende Kraft hat. Inwiefern sind sie Gegenstand und Motor transformatorischer Bildung (Koller 2018)?        
  5. …und natürlich weitere Ideen…

Interesse?!? Sie sind Herzlich Willkommen und erreichen uns - derzeit - per Mail und in unseren offenen ZOOM- Sprechzeiten:

Hubertus Redlich (Wiss. Mitarbeiter*in) // hubertus.redlich[at]hu-berlin.de // 0049 (0)30 2093-66748

Sophie Püschel (Stud. Mitarbeiterin) // forschung.all-reha[at]hu-berlin.de // 0049 (0)30 2093 66739

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