Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Pädagogik bei Beeinträchtigungen der körperlich-motorischen Entwicklung

Aktuelles

Hier finden Sie Aktuelles aus dem ReWiKs-Projekt.

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August 2021

Updates aus dem Freiraum-Team und den Freiraum-Gruppen

Aus dem Freiraum-Team verabschiedet sich unsere wissenschaftliche Mitarbeiterin Lena Grans-Wermers in die Elternzeit. Das ReWiKs-Team wünscht alles Gute und Liebe und freut sich auf ein Wiedersehen!

Gleichzeitig begrüßt das ReWiKs-Team an anderer Stelle zwei neue Freiraum-Begleiterinnen für die Region Berlin, die sich gemeinsam mit den ReWiKs-Mitarbeiter*innen momentan in der Vorbereitung und Planung der Freiraum-Gruppe befinden.

Aufgrund der bisherigen COVID-Einschränkungen, konnten die bereits geplanten regionalen Freiraum-Gruppen in Regensburg, Köln und Stuttgart noch nicht in Präsenz starten. Den Umständen entsprechend bietet das Freiraum-Team deswegen gemeinsam mit einer Freiraum-Begleiterin seit Februar 2021 eine überregionale digitale Freiraum-Gruppe an, an der mittlerweile bis zu 18 Nutzer*innen von Wohnangeboten der Eingliederungshilfe aus verschiedenen Regionen Deutschlands teilnehmen. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat und wird bis zum Ende des Jahres angeboten. Es wurde schon viel über Themen wie Liebe, Beziehungen und Dating, aber auch über Assistenz, Freizeit und wie erwartet über Corona gesprochen.

Davon inspiriert sind auch die Freiraum-Gruppen in Regensburg und Köln digital gestartet, um einen ersten Zugang zu den Bewohner*innen der Wohneinrichtungen zu schaffen. In Köln gibt es eine geschlechtergemischte Freiraum-Gruppe. In Regensburg ist ebenfalls eine geschlechtergemischte sowie eine kleinere Freiraum-Gruppe für Frauen entstanden, da für einige Frauen das Interesse an einem Austausch untereinander besteht. Die jeweiligen Gruppen treffen sich auch hier einmal im Monat online über zoom und haben bereits dreimal stattgefunden.

Momentan befinden sich die Gruppen und die Freiraum-Begleiter*innen in der Sommerpause und starten zunächst im September wieder online. Das Freiraum-Team und die Freiraum-Begleiter*innen hoffen jedoch darauf, dass die Gruppen im Herbst wie angedacht in Präsenz übergehen können.

An dieser Stelle möchte sich das ReWiKs-Team für das Engagement aller Freiraum-Begleiter*innen bedanken, die sich mit viel Mühe, Zeit und Vorbereitung auf die Umstellung zum digitalen Angebot eingelassen haben und die Freiraum-Gruppen durchführen.

(IE)

 

Juli 2021

Diskussion des ReWiKs-Teams zum Film "Because of my body"

Sexualbegleitung und Sexualassistenz können Menschen mit Behinderung die Möglichkeit eröffnen, ihre Sexualität zu leben. Ohne dass die Begrifflichkeiten im Fachdiskurs oder auch in der Öffentlichkeit trennscharf gedacht werden, geht es bei der Begleitung vorrangig um gemeinsamen Körperkontakt, Nähe und die Möglichkeit des Geschlechtsverkehrs, wohingegen bei der Sexualassistenz die Unterstützung von Paaren bei der Realisierung von Sex, Beratung und praktische Unterstützung – z.B. beim Besuch eines Sexshops im Vordergrund stehen. In beiden Fällen handelt es sich um bezahlte sexuelle Dienstleistungen, die der Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung der Klient*innen dienen. In der Beschreibung des Dokumentarfilms „Because of my body“ des Regisseurs Francesco Cannavà heißt es:

„Die 21-jährige Claudia leidet seit ihrer Geburt unter der Fehlbildung Spina bifida, im Volksmund als "offener Rücken" bezeichnet. Nach Jahren voller Diskriminierung und Einsamkeit macht sie sich auf den Weg, ihre Sexualität zu entdecken. Ein sogenannter Sexualassistent soll ihr dabei behilflich sein. Doch dann geraten Claudias Gefühle durcheinander...“

(Der Film lief in der Arte-Mediathek, ist aktuell aber leider nicht mehr verfügbar. Infos zum Film unter: https://bbfilm.tv/en/card/because-of-my-body)

Mitarbeiter*innen des ReWiKs-Teams haben sich diesen Film angesehen und stellt fest:

  • Claudia wird in weiten Teilen des Films bevormundet und ihre Selbstbestimmung massiv eingeschränkt. Das durchgängig gezeigte Machtfälle zwischen ihr und ihrem Umfeld scheint sowohl durch ihre körperliche Beeinträchtigung als auch durch ein Frauenbild geprägt zu sein, das einen selbstbewussten Umgang mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen weitgehend negiert.
  • Auch im Kontakt mit dem Sexualassistenten hat nicht sie die Entscheidungsmacht – weder über die grundsätzliche Gestaltung der Beziehung, noch über die konkreten sexuellen Situationen.
  • Es wird ein Bild von Sexualassistenz vermittelt, das nicht ihrer originären Idee entspricht und auf der Grundlage einer unklaren Rechtslage in Italien von einer elementaren Diffusität bzgl. ihres Auftrags, ihres Ziels und der Rollen von Nutzerin und Anbieter geprägt ist.
  • Für eine realistischere und Selbstbestimmung tatsächlich ermöglichende Darstellung empfehlen wir eine Dokumentation über Sexualbegleitung in Deutschland am Beispiel der Begleiterin Edith Arnold: https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-die-beruehrerin-100.html

Da sexuelle Selbstbestimmung immer auf der Erfahrung und Ermöglichung von Selbstbestimmung fußt, möchten wir zudem auf den absolut hörenswerten Podcast verweisen, den DIE NEUE NORM unter dem Titel „Behindertenwohnheime - Realität und Alternativen“ am 28.05.2021 auf BR2 veröffentlicht hat:

Nachdem vier Bewohner*innen in einem Pflegeheim in Potsdam getötet wurden, ist der mediale Aufschrei verklungen. Wir beleuchten in unserem Bayern 2-Podcast, wie über die Tat berichtet wurde. Außerdem stellen wir uns die Frage, welche strukturellen Probleme in solchen Einrichtungen herrschen und welche alternativen Wohnformen es gibt.

https://podcasts.apple.com/de/podcast/pdf-behindertenwohnheime-realit%C3%A4t-und-alternativen/id1499951166?i=1000523387072

 

(SJe)

 

 

Juni 2021

Befragung „Digitalisierung und Medienbildung in Wohnangeboten der Eingliederungshilfe“

 

Bis 15.07.21  hatten Mitarbeiter*innen aus Wohnangeboten der Eingliederungshilfe die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Befragung, die auf das Thema digitale Teilhabe und Infrastruktur in diesen Einrichtungen abzielt.

Hier gelangen Sie zur Website: https://hu.berlin/dig_teilhabe

 

Neue ReWiKs-Lots*innen erweitern die sexuelle Selbstbestimmung im Lebensbereich Wohnen der Eingliederungshilfe

 

Die ReWiKs-Lots*innen Fortbildung in Oranienburg/Berlin und Hamburg ist in diesem Monat nach der erfolgreichen Teilnahme an der Abschlussveranstaltung beendet. Fast 50 neue ReWiKs-Lots*innen gehen mit dem ReWiKs-Medienpaket und einer Erkenntnis im Gepäck aus den abwechslungsreichen online-Veranstaltungen: "Die eigentliche Arbeit rund um Themen der sexuellen Selbstbestimmung in den Organisationen fängt nun richtig an".

Daher setzen sich viele Lots*innen SMARTE - Ziele, um den positiven "Flow" aus der Weiterbildung in konkrete Handlungen zu überführen. Diese reichen von Ideen zu themenzentrierten Bildungsangeboten in der jeweiligen Organisation, über neu durchdachte Konzeptionsansprüche, bis hin zu Ideen umfassenderer Organisationsentwicklungsmaßnahmen, um die sexuelle Selbstbestimmung nachhaltig zu erweitern. Das Fortbildungsende ist zugleich der Beginn eines neuen Angebotes für die Teilnehmenden: Die regionale Vernetzung von ReWiKs-Lots*innen zu Themen der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen in Wohnangeboten. Auch hier wird das Forschungsprojekt zukünftig wirksam: Gemeinsam mit den ReWiKs-Lots*innen werden nun passgenaue regionale ReWiKs-Foren als Vernetzungsangebot zu Themen der sexuellen Selbstbestimmung erarbeitet.

Die Abbildung zeigt die Ergebnisse einer Umfrage unter 25 Fortbildungsteilnehmenden aus der Abschlussveranstaltung am Standort Oranienburg. Der Austausch untereinander, der Reflexionsprozess, die Besprechung ethischer Problemstellungen und die Nutzung bzw. Auseinandersetzung mit den Leitlinien gelingender sexueller Selbstbestimmung gefällt vielen der ReWiKs-Lots*innen sehr. Auch Impulse zur Organisationsentwicklung und die Karikaturen aus dem ReWiKs-Medienpaket gefallen vielen. Es wird deutlich wie breit die angebotenen inhaltlichen Impulse in der Fortbildung sind.

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(AN)

 

Mai 2021

Wir nehmen Abschied von Frank Kühlborn

Über 3 Jahre lang war er Teilnehmer einer Pilot-Freiraum-Gruppe und später auch des Projekt-Beirats und hat mit seinen Ideen, Gedanken und dem offenen Teilen seiner Gefühle sich und Menschen, die in Wohneinrichtungen leben eine Stimme gegeben. Er wollte darauf aufmerksam machen, was verändert werden darf. Auch zukünftig hätte er gerne über diese Dinge erzählt, um sie mit der Welt zu teilen. Er zeigte oft eine so tiefe Dankbarkeit dafür, Teil des Projekts sein zu dürfen, ohne wirklich zu realisieren, wie sehr er es selbst bereicherte. Oft erzählte er von seinen Kämpfen mit seinem Körper, der Liebe und dem Leben und immer wieder durften wir in den Treffen der Freiraum-Gruppe und auch auf der ReWiKs-Abschlusstagung 2018 seinem Humor und seinen ergreifenden, ehrlichen Worten lauschen. Ebenso machte ihn eine immerwährende Offenheit und Neugier für ehrliche Konfrontation und die Impulse der Anderen aus.

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Danke Frank!

 

Du bleibst uns unvergessen!

(JTr)

 

April 2021

Die Corona-Pandemie als Auslöser für unser Positionspapier

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie erreichten uns im Rahmen des Projektes Berichte und Erfahrungen von sehr herausfordernden Lebenssituationen von Menschen mit Lernschwierigkeiten, die in besonderen Wohnformen leben. Wir sahen uns in der Verantwortung, diese zu erfassen, sichtbar zu machen und auf unseren Projekt-Schwerpunkt, die sexuelle Selbstbestimmung, zu fokussieren. Im gemeinsamen Austausch des Projekt-Teams ist so ein Positionspapier mit dem Titel „Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Krisenzeiten“ entstanden. Zukünftig ist geplant, dieses auch in Leichte Sprache übersetzen zu lassen. Die aktuelle Version kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: http://doi.org/10.5281/zenodo.4736990

(SB)

 

März 2021

Projekt ReWiKs auf dem Kongress Armut und Gesundheit 2021

Unter dem Titel „Partizipation in Projekten zur sexuellen Selbstbestimmung und Bildung von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen“ fand am 18.03.2021 das gemeinsame Fachforum des Projekts ReWiKs und des Projekts Herzfroh 2.0 statt (Link zum Abstract).

Das Fachforum widmete sich der Frage, wie Partizipation in (Forschungs-)Projekten umgesetzt, gewollt und gelebt werden kann und wie sich diese Haltung auf die Inhalte, den Verlauf der Projekte sowie die Qualität der Ergebnisse auswirkt.

Der Fokus der Darstellung des Projekts ReWiKs (Powerpoint des Vortrags hier) lag auf der Partizipation im Bereich der Freiraum-Gruppen und der Schilderung der bisher gemachten Erfahrungen. Beim Aufbau der Gruppen wird ein enges partizipatives Vorgehen zwischen Freiraum-Begleitungen und Forscherinnen aus der HU Berlin umgesetzt. Im „Stufenmodell der Partizipation“ nach Wright et al. (2010) entspricht dies der Stufe der „Entscheidungsmacht“, was die höchste Stufe im Bereich der Partizipation ist. Die Freiraum-Begleitungen sind in alle Prozesse beim Aufbau der Gruppen eingebunden. Auch bei der Begleitforschung spielen sie eine wesentliche Rolle, indem Sie die Ergebnisse interpretieren und teilweise mitentscheiden, welche thematischen Fokus die Evaluation bearbeiten soll (zwischen den Stufen „Einbeziehung“ und „Mitbestimmung“).

Das Projekt Herzfroh 2.0 wurde die Projektbeteiligten vorgestellt.

In der auf die Vorstellung der Projekte folgenden Talkrunde berichteten zwei Teilnehmende aus beiden Projekten von Ihren Erfahrungen.

Beide Personen fühlten sich in Ihrer Rolle ernst genommen. Die Zusammenarbeit klappte sehr gut und problemlos. Für Projekte, die die Lebenswelten und Zielgruppe von Menschen mit Behinderungen zum Gegenstand haben, sei es sehr wichtig, dass ein Einbezug von Anfang an stattfinde. Menschen mit Behinderungen sollten in alle Phasen eingebunden sein („nichts über uns ohne uns“). Dabei gebe es viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie dies geschehen könne. Wichtig sei es in partizipativen Projekten eine gute Aufgabenklärung und Rollenbeschreibung zu entwickeln, um Verantwortlichkeiten zu regeln. Dazu befragt, was sie bei der bisherigen Zusammenarbeit im Forschungsprojekt gelernt habe, sagte eine Beteiligte: „Das eine ist die Theorie und das andere ist die Praxis. Und ich glaube wir können nicht ohne einander.“ Die Forschung brauche die Anbindung an die Realität und gleichzeitig sei die Forschung wichtig, damit die Praxis etwas lernen könne.

Aus Sicht von Projekten sei die Partizipation von Akteur*innen es für den Projekterfolg sehr wichtig. Sie können als Türöffner und Brückenbauer für das Projekt in der Praxis und der jeweiligen Region dienen und sorgen dafür, dass relevantes lebensweltliches Wissen in das Projekt und die entstehenden Ergebnisse einfließen kann und diese so passgenauer werden.

 

*Literatur: Wright, M. T., von Unger, H. & Block, M. (2010) Partizipation der Zielgruppe in der Gesundheitsförderung und Prävention. In M. T. Wright (Hrsg.), Partizipative Qualitätsentwicklung in der Gesundheitsförderung und Prävention (35-52). Bern: Huber.

(TKr)