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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Pädagogik bei Beeinträchtigungen der körperlich-motorischen Entwicklung

Projektbeschreibung

 

 

ReWiKs: Sexuelle Selbstbestimmung und Behinderung – Reflexion, Wissen, Können als Bausteine für Veränderungen

 

Hintergrund:

In der ersten Förderphase des Projektes „ReWiKs“ lag der Fokus auf der Entwicklung und Evaluation von ausdifferenzierten, umfangreichen und praxistauglichen Materialien, die der Erweiterung der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen, die in Wohneinrichtungen leben, dienen sollen. Das entstandene „ReWiKs-Medienpaket“ richtet sich gleichermaßen an Mitarbeitende und Bewohner*innen von Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und bietet vielfältige Möglichkeiten sich mit Haltungen, Strukturen und Praktiken auf Ebene der Organisation bzw. mit Bedingungen im eigenen Lebensumfeld zu beschäftigen (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2020).

In intensiven Praxisdialogen wurden zudem modellhaft Möglichkeiten zur eingehenden Auseinandersetzung mit dem Material (Fortbildungen für Mitarbeitende) und zum Austausch und gemeinsamen Handeln im Themenkomplex Sexualität und Selbstbestimmung („Arbeitskreise“ für Bewohner*innen) entwickelt und erprobt. Beide Formate tragen wirksam zu einer Erweiterung der (sexuellen) Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen, die in Wohneinrichtungen leben, bei.

Diese Erfahrungen und inhaltlichen Erkenntnisse bilden die Grundlage für die Weiterführung bzw. die Erweiterung des Projektes in der zweiten Förderphase.

Das Projekt sieht sich in konsequenter Weise dem Rechtsanspruch des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung verpflichtet, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung an allen gesellschaftlichen Bereichen zu forcieren und umzusetzen. Die Lebensbereiche Sexualität, Liebe, Partnerschaft und Familie stellen zentrale Themen im Leben eines jeden Menschen dar, die unabhängig von der Wohnform und/oder der individuellen physischen oder kognitiven Ausgangslage bedeutsam sind.

Forschungsergebnisse in diesen Themenbereichen und die Ergebnisse der ersten Förderphase zeigen, dass hier ein hoher Weiterentwicklungsbedarf in der Stärkung der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung, der fachlichen (Weiter-)Qualifizierung der sie begleitenden und assistierenden Fachkräfte sowie der thematischen Organisationsentwicklung in stationären und ambulanten Wohnformen für Menschen mit Behinderungen zu konstatieren ist.

Mit dem „ReWiKs-Medienpaket“ liegt eine in der Praxis evaluierte Materialsammlung vor, die diesen Bedarfen entspricht und Anregungen sowie praktische Unterstützung für Mitarbeitende und Bewohner*innen der Einrichtungen bieten kann.

 

Ziele des Projekts:

Für die zweite Förderphase des Projektes ergeben sich aus dem dargestellten Hintergrund folgende Ziele:

  • Bundesweite Verbreitung der Erkenntnisse aus der ersten Förderphase und deren nachhaltige Implementierung in Einrichtungen und Diensten der Eingliederungshilfe, im Lebensbereich Wohnen von Menschen mit Behinderungen, in Beratungsstellen und -diensten sowie Strukturen der Selbsthilfe
  • Initiierung, Etablierung und Evaluation von Austauschformaten zum Themenkomplex Sexualität und Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen außerhalb der eigenen Wohneinrichtung
  • Durchführung von Fortbildungen für Mitarbeitende in Wohneinrichtungen zur Anwendung und Verbreitung des „ReWiKs-Medienpakets“ sowie zur Anregung von Organisationsentwicklungsprozessen
  • Ausdifferenzierung und Digitalisierung der verschiedenen Projektmaterialen

 

Projektstruktur:

Die Umsetzung der Projektziele erfolgt durch die Bearbeitung von drei Projektmodulen in zwei eng miteinander vernetzten Projektteams, die sich unterschiedlichen Schwerpunkten widmen. Im Vergleich zum Vorgängerprojekt sind die Aufgabenschwerpunkte jedoch stärker inhaltlich miteinander verzahnt und aufeinander bezogen.

Die inhaltliche und fachliche Leitung des gesamten Projektes erfolgt durch Prof. Dr. Sven Jennessen (Humboldt-Universität zu Berlin). Die beiden Projektteams befinden sich an der Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Rehabilitationswissenschaften und der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Institut für Teilhabeforschung, Münster. Die Gesamtkoordination des Projektes erfolgt durch die Humboldt-Universität zu Berlin.

 

Modul 1:

  • Fortbildung für Mitarbeitende in Wohneinrichtungen („ReWiKs-Lotsinnen und ReWiKs-Lotsen“)

Modul 2:

  • Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten für Bewohner*innen zum Thema Sexualität und Selbstbestimmung („Freiräume“ bzw. „Arbeitskreise“)

Modul 3:

  • Materialpflege und Erweiterung

 

Modulübergreifend werden durch das Projekt zusätzlich Aktivtäten der Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung mit relevanten Partnerinnen und Partnern im Sinne der Projektziele unternommen.

Die Arbeit der Wissenschaftler*innen wird wie auch in der ersten Förderphase des Forschungsprojektes „ReWiKs“ von einem partizipativen Projektbeirat, der sich aus unterschiedlichen Stakeholdern mit und ohne Behinderungserfahrungen zusammensetzt, kritisch reflektiert und begleitet.